Weiher ©Jan Ryser

Amphibienförderung

Unsere Landschaft ist in den letzten 150 Jahren konsequent entwässert worden - durch Flusskorrektionen, Meliorationen und flächigem Einsatz von Drainagen. In der Folge sind die Lebensräume von Amphibien und anderen Tieren, welche auf stehendes Wasser angewiesen sind, drastisch zurückgegangen, und mit ihnen die Tierpopulationen. Einzelne Amphibienarten sind regional ausgestorben.

Pro Natura Bern fördert gefährdete Amphibien seit rund 15 Jahren mit dem Bau neuer Laichgewässer. Im Zentrum standen die Gebirtshelferkröte, der Laubfrosch und die Kreuzkröte. Eine Planungsprojekt in den letzten zwei Jahren lieferte Grundlagen für gezielte weitere Fördermassnahmen.

Förderung der Geburtshelferkröte

Zusammen mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (karch) startete Pro Natura Bern 2007 ein Förderprojekt für Geburtshelferkröten im Emmental, einem schweizweiten Verbreitungsschwerpunkt, der in den letzten Jahrezehnten aber deutliche Bestandesrückgänge zu verzeichnen hatte. Ziel war, durch Neuanlage und Aufwertung von Gewässern und Landlebensräumen die Bestände zu stützen und den Rückgang zu stoppen. Insgesamt wurden bis Ende 2010 an 40 Standorten neue Gewässer geschaffen, 5 Weiher saniert und an 32 Standorten Landlebensräume aufgewertet. Daneben erfolgten zahlreiche Beratungen von Grundeigentümern und Bewirtschaftern sowie von Feuerweiherverantwortlichen der Gemeinden. Finanziert wurde das Projekt mit Beiträgen von Bund und Kanton Bern, Stotzer-Kästli Stiftung, Dr Bertold Suhner-Stiftung, Genossenschaft EvK, Pro Natura Bern und Berner Mittelland und der karch.

2014 startete ein Nachfolgeprojekt mit gleicher Zielsetzung, das auf den Oberaargau ausgedehnt wurde. Bis Ende 2018 sollen weitere rund 30 neue Fortpflanzungsgewässer gebaut werden, sowie Beratungen von Privaten und Gemeinden durchgeführt werden.

Pro Natura Oberemmental plante parallel Aufwertungen in der Gemeinde Langnau, um die Vorkommen der Gerburtshelferkröte in einem eher dünn besiedelten Gebiet zu stützen. Von 2012 bis 2015 wurden 13 Weiher neu erstellt oder saniert, welche die die Lebensraumsituation für die bedrohte Art verbessern. Das Projekt wurde finanziell unterstützt von der Gemeinde Langnau und dem BKW Ökofonds.

Dem Laubfrosch auf die Sprünge helfen

Die Bestände des gesamtschweizerisch stark gefährdeten Laubfrosches sind im Kanton Bern und angrenzenden Gebieten auf wenige isolierte Standorte zusammengeschmolzen. In zwei Schwerpunktregionen wurden die kleinen Amphibien von Pro Natura Bern gezielt gefördert.

Das grösste Laubfrosch-Vorkommen des Kantons Bern bzw. angrenzender Gebiete lag im Pro Natura-Schutzgebiet Auried an der Saane bei Laupen. Weitere Populationen bestanden beim Zusammenfluss Saane-Aare (Oltigenmatt) und weiter im Grossen Moos. Um eine Vernetzung der Vorkommen erreichen zu können, planten wir Ende der 90er-Jahre die Anlage neuer Kleingewässer entlang der Saane zwischen dem Auried und der Oltigenmatt. In mehreren Schritten erstellten wir 5 Kleinweiher in den Gemeinden Kriechenwil und Laupen, 4 Flachwasserteiche in der Laupenau 3 Gewässer bei Kleingümmenen und Wileroltigen. Sie sind von ihrer Struktur und Wasserführung her speziell auf den Laubfrosch ausgerichtet. Im Jahr 2011 konnten wir eine Parzelle mit zwei grossen Weihern bei Kriechenwil erwerben - ebenfalls Laichgewässer des Laubfrosches. Die beiden verschlammten Gewässer wurden ausgebaggert und bilden einen weiteren Trittstein in der für die Amphibien bedeutenden Region.
Die Bemühungen waren von grossem Erfolg gekrönt. Die Gewässer wurden rasch besiedelt und beherbergen teilweise auch weitere seltene Arten wie den Kammmolch. Dies zeigt, dass Erfolge bei der Amphibienförderung möglich sind, wenn die Massnahmen konsequent auf die Bedürfnisse der Zielarten ausgerichtet werden.

Schintere bei Thun: Pro Natura Bern konnte das Gebiet im Umfang von 2,7 ha, bis vor kurzem das letzte und einzige Vorkommen des Laubfrosches im Aaretal, vom VBS erwerben. Das Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung umfasst einen Grundwasserweiher mit stark schwankendem Wasserstand, angrenzende Waldflächen und Grünland. Nach dem Kauf erstellten wir zur Stützung des isolierten Laubfroschbestandes insgesamt 5 Flachwasserteiche mit meist temporärer Wasserführung. Entlang von drei Teichen wurden südexponierte Rundsteinmauern angelegt. Hecken auf aufgeschütteten Dämmen ergänzen das Angebot an Kleinstrukturen. Der westliche Bereich des Geländes mit einem Teich und Sitzbänken wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, während die restliche Fläche zum Schutz der Naturwerte eingezäunt ist. Das Gebiet wird u.a. mit Hilfe von Freiwilligen gepflegt und beherbergt eine grosse Laubfroschpopulaton.

Die Kreuzkröte - ein Pionier

Kreuzkröte © Jan Ryser © J.Ryser
Kreuzkröte

Die Kreuzkröte ist die ausgeprägteste Pionierart unter unseren Amphibien. Sie laicht in sonnigen, neu entstandenen und temporären und daher häufig kahlen Gewässern, die sich schnell erwärmen und kaum Feinde und Konkurrenten aufweisen. In den letzten Jahrzehnten ist sie massiv zurückgegangen. Die Vorkommen im Seeland sind nur noch sehr klein und verstreut. Aus diesem Grund hat Pro Natura Bern, in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (karch), im verbliebenen Verbreitungsgebiet des Seelands ein Weiherbauprojekt zugunsten der Kreuzkröte lanciert. Ab 2014 wurden an acht Standorten neue Gewässer angelegt, die für die Pionierart geeignet sind. Das heisst, sie weisen einen Auslauf auf, damit sie periodisch trockengelegt werden können, und die Abdichtung (Kautschukfolie) wurde bei einigen mit einer Betonauflage versehen, um die Sukzession, also die Vegetationsentwicklung, stark zu bremsen und damit auch den Unterhaltsaufwand zu minimieren. Das Projekt konnte 2015 abgeschlossen werden. An Standorten mit bestehenden Kreuzkröten-Vorkommen wurden die neuen Gewässer bereits im ersten Jahr besiedelt. Das Vorhaben wurde finanziert durch den Ökofonds BKW, Lotteriefonds des Kantons Bern, die Stotzer-Kästli-Stiftung, Abteilung Naturförderung des Kantons Bern und Pro Natura Bern.

Geburtshelferkröten im Emmental-Oberaargau

Neuer Weiher für die Geburtshelferkröte bei Bäriswil © J.Ryser © J.Ryser
Neuer Weiher für die Geburtshelferkröte bei Bäriswil

Das «Steichröttli» oder der «Glögglifrösch» war früher mit seinem hellen glockenartigen Ruf im Emmental eine vertraute Erscheinung bei Bauernhöfen mit Feuerweiher. Die Brutfürsorge durch das Männchen (daher der deutsche Name) macht ihn zu einer Besonderheit unter den einheimischen Amphibien. Heute gehört er gesamtschweizerisch zu den stark gefährdeten Amphibienarten.

Wir sind weiter dankbar für Meldungen von Vorkommen der Geburtshelferkröte.



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