Quellen ©Jan Ryser

Quellen – unbekannter, bedrohter Lebensraum

Quellen sind besondere Wasserlebensräume. Sie beherbergen aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften stark spezialisierte Lebensgemeinschaften. Gleichzeitig sind sie wie kein anderer Gewässertyp zerstört und beeinträchtigt worden.

Weil der Kenntnisstand über Verbreitung und Zustand der Quellen schlecht und der Handlungsbedarf gross ist, will Pro Natura Bern die Betroffenen über Bedeutung und Gefährdung der Quellen informieren und mithelfen, die naturnahen oder nicht mehr genutzten Quellen zu erfassen. Ziel sind nachfolgende Aufwertungen beeinträchtigter Quellen. Die Inventararbeiten wurden Ende 2017 abgeschlossen und die Daten (über 1100 neu erfasste Quellen) wurden in die Datenbank des Gewässer- und Bodenschutzlabors des Kantons Bern eingegeben.

Vielfalt der Quellen

Quellen sind Austritte von Grundwasser an der Erdoberfläche. Die Wasseraustritte können grob in drei Typen unterteilt werden, wobei die Übergänge fliessend sind. Bei Fliess- oder Sturzquellen, strömt das Wasser rasch und punktuell aus dem Boden und das abfliessende Wasser bildet sofort ein Gerinne. Bei den Sumpf- oder Sickerquellen tritt das Wasser flächig, einen Quellsumpf bildend, aus. Hier bildet sich erst allmählich ein Abflussgerinne. In Tümpel- oder Weiherquellen bildet das aufstossende Grundwasser einen Weiher und fliesst bei einem Überlauf als Quellbach ab.

Reiche Welt der Quellbewohner

Quellwasser ist Grundwasser und weist deshalb spezielle Eigenschaften auf: Das Wasser ist sauerstoff– und nährstoffarm und hat eine tiefe, gleichbleibende Temperatur, welche ungefähr dem Temperaturjahresmittel der Region entspricht. Das Wasser ist somit kühl im Sommer und vergleichsweise warm im Winter.

Quellen beherbergen aufgrund der besonderen Verhältnisse eine spezialisierte, artenreiche Fauna. Aus der Gruppe der Insekten sind es vor allem die Larven, die sich im Wasser entwickeln. Vorherrschend sind Zweiflügler, aber auch Köcherfliegen, Wasserkäfer, sowie Steinfliegen und Eintagsfliegen sind vertreten. Als Nichtinsekten kommen Krebstiere, Weichtiere, Strudelwürmer und Wassermilben vor. Das einzige Wirbeltier unter den regelmässigen Bewohnern von Quellen sind die Larven des Feuersalamanders. Die Zahl der Quellspezialisten umfasst in der Schweiz rund 100 Arten.

Das Vorkommen spezialisierter Arten beschränkt sich nicht auf Tiere. Neben besonderen Moosarten beherbergen Quellen insbesondere auch eine grosse Vielfalt an Kieselalgen.

Das Sterben der Quellen

Quellen waren früher einmal äusserst zahlreich vorhanden. Schon vor Jahrhunderten begann der Mensch, diese zur Gewinnung von Trinkwasser zu fassen oder trockenzulegen und abzuleiten.

Im Landwirtschaftsland wurden Wasseraustritte konsequent gefasst, eingedolt oder flächige Austritte drainiert. Verbliebene können durch Viehtritt oder Verschmutzung beeinträchtigt sein. Im Wald war der Rückgang weniger ausgeprägt, aber auch hier sind viele grössere gefasst worden, oder die Quellbereiche wurden und werden mit Schnittgut zugeschüttet, was deren biologischen Wert stark mindert. In neuester Zeit steigt der Nutzungsdruck auf Quellen im Alpenraum auch durch Wasserfassungen für Beschneiungsanlagen.

Der dramatische Rückgang der naturnahen Quellen gefährdet auch deren Bewohner. Diese können nicht auf andere Lebensräume ausweichen und sind durch die Abnahme der naturnahen Quellen zunehmend isoliert. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass rund 70% der Quellspezialisten als gefährdet auf der Roten Liste geführt werden.

Auf der Suche nach den Quellen

Die Bedeutung und Gefährdung der Quellen und der Handlungsbedarf sind in jüngster Zeit vermehrt in den Fokus des Naturschutzes gerückt. Im Kanton Bern bemüht sich das zuständige Gewässer- und Bodenschutzlabor, die Datenbasis über die Quellen zu verbessern. Dazu will auch Pro Natura Bern mit ihrem Projekt beitragen. Durch Information, so mit einem Flyer, möchten wir die Betroffenen, etwa Förster, Waldbesitzer, Landwirte, für die Bedeutung und Gefährdung der Quellen sensibilisieren. Mit einem Quelleninventar in verschiedenen Regionen wollen wir zur Verbesserung der Datenbasis zu den Quellen beitragen. In diesem Rahmen haben 27 Freiwillige in den Jahren 2016 und 2017 über 1100 Quellen neu erfasst. Damit soll auch die Grundlage für nachfolgende Aufwertungen von beeinträchtigten Quellen geschaffen werden. Die Daten flossen ein in die Datenbank des kantonalen Gewässer- und Bodenschutzlabors.
Das Quellenprojekt wurde finanziell unterstützt von den Ökofonds BKW, Energie Thun und ewb.

Momentan ist ein Nachfolgeprojekt in Vorbereitung, das die Sensibilisierungsarbeit fortführen und Revitalisierungen beeinträchtigter Quellen umsetzen will.

Meldung von Quellen: Bitte melden Sie uns Quellenstandorte oder Standorte gefasster Quellen, die nicht mehr genutzt werden, im Kanton Bern schriftlich oder per E-Mail mit Angabe der genauen Koordinaten oder mit einem Kartenausschnitt, sowie mit einigen Angaben zur Art und Grösse.


Meldungen an: @email


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