Niesen Matthias Sorg

Regionalsektion Berner Oberland

Wir kümmern uns um die Naturwerte im Berner Oberland und achten als Anwältin der Natur darauf, dass Gesetze und Verordnungen im Natur- und Landschaftsbereich eingehalten werden.

Aktuelles

Wasserkraft im Berner Oberland

Mit gut zwei Dritteln wird der grösste Teil des Energiebedarfs in der Schweiz nach wie vor aus fossilen Energieträgern gedeckt. Für eine nachhaltige Entwicklung ist es aber dringend nötig, den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energieträgern drastisch zu reduzieren. Der Bund hat mit seiner Energiestrategie bis 2050 vorgesehen das netto-Null Ziel zu erreichen. Aus diesem Grund muss die Stromversorgung zukünftig zu 100 % aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, wie es die Umwelt- und Naturschutzverbände schon seit Jahrzehnten fordern. Pro Natura setzt sich für einen naturverträglichen Ausbau dieser Energieinfrastruktur ein und darüber hinaus insbesondere für mehr Effizienz, Suffizienz und den Ausbau der Solarenergie auf grauer Infrastruktur ein. 

Um die Netzstabilität zu gewährleisten und um das Angebot an regulierbarer Stromproduktion im Winter zu vergrössern, hat der Bund beschlossen, dass es weitere Speicherwasserkraftwerke braucht. Im Bundesgesetz über die Stromversorgung wurden 15 Projekte direkt ins Gesetz geschrieben. Darunter die Speicherwasserkraftwerke Trift, Grimsel und Oberaarsee. Bei ihrer Realisierung sind für diese Projekte zusätzliche Ausgleichsmassnahmen zum Schutz von Natur und Landschaft umzusetzen. Es handelt sich dabei um Massnahmen, die über jene des Gewässerschutz- und des Natur- und Heimatschutzgesetzes hinausgehen, damit die kumulativen negativen Effekte der Wasserkraftnutzung auf die Biodiversität gemildert werden können. Im Rahmen des «Grimsel-Dialogs» haben sich deshalb der Kanton Bern, die Kraftwerke Oberhasli AG und die Umweltverbände auf ebensolche Massnahmen zum Schutz und zur Aufwertung von Gewässern und terrestrischen Naturräumen geeinigt. Dazu gehört unter anderem der Nutzungsverzicht (keine neuen Wasserkraftwerke) auf insgesamt 53 kantonalen Fliessgewässern oder Fliessgewässerabschnitten, Bau- und Nutzungsbeschränkungen für drei Gletschervorfelder, die Biodiversitätsförderung durch konzeptionelle und finanzielle Unterstützung diverser Projekte sowie die Errichtung einer Stiftung zur Sicherstellung des langfristigen Unterhalts von Aufwertungs- und Revitalisierungsmassnahmen.

 

Rückbau Simmenwehr

Ein konkretes Beispiel für eine Zusatzmassnahme und die Offenheit des Dialogs ist das Simmenwehr bei Wimmis. Es blockiert seit Jahrzehnten die freie Fischwanderung im Gewässer und schränkt die ökologische Vernetzung der Simme stark ein. Ein Rückbau wurde bereits 2022, lange vor dem Grimseldialog, im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen ökologischen Sanierung von der Betreiberin (BKW) als Bestvariante dem Bund vorgeschlagen. Allerdings sind die Kosten hierfür hoch, und weil die Massnahmen der ökologischen Sanierung Wasserkraft vollumfänglich aus Geldern des Netzzuschlagfonds bezahlt werden, muss der Bund die Frage der Verhältnismässigkeit prüfen. Weil der Rückbau die anerkannt beste Lösung ist, aber sich eine Finanzierungsfrage stellt, wurde im Rahmen des Dialogs darum gemeinsam vereinbart, dass eine Kostenbeteiligung der KWO am Rückbau des Wehrs geprüft werden soll.

Aktuell ist noch offen, ob das Projekt so umgesetzt wird. Der Rückbau des Wehrs wäre ein massiver Gewinn für die Simme, die Biodiversität und die Landschaft, bei sehr geringen, zwischenzeitlichen Energieverlusten. Falls er nicht realisiert wird, stünden weitere Massnahmen bereit, die dann als Ersatz zum Zuge kämen.

Tourismusentwicklung: Wann ist genug genug?

Gedränge auf Ausflugsbergen, verstopfte Strassen, überfüllte Züge: Die Auswirkungen des Tourismusbooms sind im Berner Oberland an vielen Orten spürbar. Klagen der Bevölkerung häufen sich, erste Gemeinden haben Massnahmen zur Beschränkung eingeführt, andere prüfen sie.

Doch die Schattenseite der Jahr für Jahr steigenden Zahl an Übernachtungen und – häufig motorisierten – Tagesgästen scheint zentrale Akteure im Tourismusmarkt nicht zu kümmern: die Bergbahnen. Das machen aktuelle Beispiele deutlich. 

In Kandersteg treiben Gemeinde, BLS und Elsigenalpbahn das Projekt einer Seilbahnverbindung von Kandersteg ins Ski- und Wandergebiet Elsigen-Metsch voran. Auch das bisher unberührte Elsighorn soll erschlossen werden, wodurch wertvolle Lebensräume geschützter Tier- und Pflanzenarten zerstört und die Landschaft entwertet würde. Zudem würde das bereits gravierende Verkehrsproblem im Kandertal sich weiter verschärfen. Massive Investitionen planen auch die Jungfraubahnen. 2025 startete das Unternehmen zwei Mitwirkungsverfahren, einmal für einen massiven Angebotsausbau bei der Station Eigergletscher, einmal für eine neue Firstbahn. Auch bei diesen Projekten wären die Auswirkungen auf Natur und Landschaft erheblich.

Nur fünf Jahre nach der Eröffnung von V-Bahn und Eiger-Express soll die Station Eigergletscher erheblich ausgebaut werden. Dazu gehören unter anderem Neubauten für ein Museum und ein Restaurant, ausserdem sollen in diesem für Steinböcke und Alpenschneehühner wertvollen Gebiet hotelähnliche Ferienwohnungen entstehen. Beim First, auf der anderen Talseite von Grindelwald, soll mit dem Bau einer neuen Firstbahn die Transportkapazität der Bahn mehr als verdoppelt werden. Die neue Bahn soll direkt zum prägnanten Gipfel führen, und um die vielen zusätzlichen Gästen auf First zu unterhalten, soll das Gebiet in ein Art Abenteuerpark umgebaut werden.

Die Initianten des Seilbahnprojekts Kandersteg-Elsigen und die Jungfraubahnen bekennen sich zu einem nachhaltigen Tourismus, und auch im Leitbild von Grindelwald ist der Betriff verankert. Ist es diesen Akteuren damit ernst, sollten sie ihre Projekte zumindest in ihrem Ausmass überdenken. Pro Natura Berner Oberland wird sich dafür einsetzen, dass die Pläne auf ein Mass reduziert werden, respektive in einer Grössenordnung bleiben, die mit den rechtlichen Rahmenbedingungen vereinbar sind.

Eiger Thomas Schenk
Bereits mit dem Bau der V-Bahn wurde massiv in das Gebiet rund um den Eigergletscher eingegriffen.

Projekte

Wo gibt es noch Gelbringfalter?

Der Gelbringfalter ist eine stark gefährdete Waldschmetterlingsart, die aufgrund veränderter Nutzungsformen und der wirtschaftlich bedingten Förderung dichter, gleichmässiger Baumbestände vielerorts bereits verschwunden ist.

Waldschmetterlinge wie der Gelbringfalter sind auf Lebensräume mit geringem Deckungsgrad, Bestandeslücken und guter Durchsonnung des Waldbodens angewiesen. Ebenso wichtig sind Gebiete mit einer vielfältigen Kraut- und Strauchschicht. Da Gelbringfalter eine hohe Standorttreue aufweisen, kann eine Veränderung ihres Lebensraums zum lokalen Aussterben führen.

Pro Natura möchte in Zusammenarbeit mit der Abteilung Naturförderung sowie dem Amt für Wald und Naturgefahren neue Nachweise erbringen, um mehr über diese interessante Art zu erfahren und ihren Lebensraum gezielt schützen zu können. Die daraus entstehenden Massnahmen kommen letztlich nicht nur dem Gelbringfalter zugute, sondern auch zahlreichen weiteren Waldarten.

Neben der Feldarbeit von Spezialisten sind wir deshalb auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen. Falls zwischen Juni – August (Flugzeit) der Gelbringfalter beobachtet wird, kann mit einer Meldung ein wichtiger Beitrag zum Erhalt des Gelbringfalters geleistet werden. Für Personen, welche die Erfolgschancen für eine Entdeckung steigern möchten, können wir spezifische Gebiete bereitstellen, wo ein Vorkommen vermutet wird.

 

So können Sie Beobachtungen melden:

  1. Standort (Koordinaten oder Punkt auf einer Karte markieren)
  2. Datum der Beobachtung
  3. Foto

Bitte senden Sie Ihre Meldung an @email

Für weitere Informationen:
Etienne Guhl
Tel. 031 510 02 92

Gelbringfalter Lorenz Heer
Praktischer Einsatz für die Natur

In den letzten Jahren hat die Fläche der Alpweiden in der Schweiz abgenommen - dies grösstenteils aufgrund fortschreitender Verbuschung. Während einzelne Büsche Refugien für Arten bilden und somit den Lebensraum bereichern können, kann das unkontrollierte Ausbreiten von Farnen, wie der Adlerfarn, oder Büschen, wie der Grünerle, zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt führen.

Wir freuen uns über alle, die mithelfen und einen Tag in schöner Bergumgebung verbringen möchten. Für mehr Infos: Catrin Linke, Tel 079 594 57 31 oder Pro Simmental.

Fürtbächli, Kandergrund

Pro Natura Berner Oberland forderte 2012 in der Einsprache zum Projekt den Weiterbestand des stehenden Gewässers, da dieses zusätzlichen Lebensraum für Flora und Fauna geschaffen hatte. Aus unserer Sicht sollte eine Revitalisierung keinen Rückschritt für die Natur bedeuten. Im Rahmen der langen Verhandlungen sicherten wir im Jahr 2015 zu, dass sich Pro Natura Berner Oberland an den Kosten für die ökologische Aufwertung, namentlich am Bau von zwei Amphibienteichen, beteiligen würde. Wir konnten aus dem OBEG-Geld CHF 10'000 für die Erstellung der Tümpel in Aussicht stellen.

Der OBEG, Oberländischer Bund zum Erhalt der Gewässer, hat sich vor vielen Jahren aufgelöst und sein Vereinsvermögen Pro Natura Berner Oberland vermacht, mit der Auflage das Geld für Gewässerschutz im Kandertal einzusetzen. Deshalb beschlossen wir den für uns doch hohen Beitrag.

Die Geländesenke in der Fürte, Gemeinde Kandergrund, wurde während des Hochwasserereignisses vom 10. Oktober 2011 überflutet. Aufgrund der lokalen Verhältnisse konnte das Wasser nicht versickern. Der entstandene kleine See in der Fürte wurde durch das Fürtbächli weiter gespiesen. Als Revitalisierungsmassnahme und zum Schutz vor weiteren Hochwassern sollte die Geländesenke in der Fürte aufgeschüttet und das Fürtbächli auf rund drei Vierteln seiner Länge umgelegt werden. Das Projekt zur Neugestaltung des Gerinnes sah die Aufhebung des entstandenen «Seelis » vor. 

Der hintere Amphibienteich neben dem umgelegten Fürtbächli.
Der hintere Amphibienteich neben dem umgelegten Fürtbächli

Exkursionen

Quellen – belebendes Nass und seltenes Biotop

Exkursion in eine piktoreske Landschaft mit Besuch eines spannenden Lebensraums.

Mehr Informationen 

Wintergäste an und in unseren Gewässern

Alljährliche Exkursion am Thunersee.

Mehr Informationen

Gänsesäger Matthias Sorg
Der Gänsesäger ist ein regelmässiger Wintergast an den Seen im Berner Oberland

Vorstand

  • Güntensperger Hanspeter (Präsident)

  • Straubhaar Michael (Co-Vizepräsident)

  • Steiner Marco (Co-Vizepräsident, Kandertal)

  • Blumenstein Claudia

  • Immer Fritz (Region Oberhasli)

  • Kummer René (Region Niedersimmental, Kassier)

  • Linke Catrin (Region Obersimmental)

  • Moser Lisa

  • Pfenninger Martina (Region Frutigen)

  • Schenk Thomas (Region Lütschentäler)

  • Zbären Ernst (Region Obersimmental)

  • Karin Rieben

Archiv

23.05.2026: Tag der Artenvielfalt im Freilichtmuseum Ballenberg

Erfahre, warum Artenvielfalt so wichtig ist und wie du selbst zu ihrem Schutz und ihrer Förderung beitragen kannst.

Neben unserem Stand erwarten dich vielfältige Marktstände sowie spannende Führungen, bei denen es viel zu entdecken gibt. Werde selbst aktiv und hilf mit, möglichst viele verschiedene Arten zu finden und zu dokumentieren! Weitere Infos zum Anlass findest du hier.

Neues Präsidium Pro Natura Berner Oberland

Anlässlich der 66. Jahresversammlung von Pro Natura Berner Oberland ist Nadja Keiser-Berwert als langjährige Präsidentin von Pro Natura Berner Oberland zurückgetreten. Nach eigener Aussage hat sie einen gut funktionierenden Vorstand aus engagierten Fachpersonen aufbauen können, sodass sie guten Gewissens das Mandat abgeben kann. Die Wichtigkeit von Pro Natura im Berner Oberland zeigte sich im Jahresrückblick. Es wurden zahlreiche illegal erstellte Bauten angefochten, sodass diese zurückgebaut werden müssen. Als Anwältin der Natur wehrt sich Pro Natura, dass das Berner Oberland (noch) reich an seltenen und gefährdeten Arten und Lebensräume durch nicht mit der Naturschutzgesetzgebung vereinbarenden Projekten negativ tangiert wird.
Gespannt wurde dementsprechend der Vorschlag des Vorstandes für das Präsidium erwartet. Gewählt wurde schlussendlich Hanspeter Güntensperger aus Frutigen. Als ehemaliger Präsident der Fischerei Pachtvereinigung Spiez und mit den Erfahrungen als früheres Mitglied der Rechtsgruppe bei Aqua Viva kennt er die Verfahren und einige Player in der Region.
Bei der Verabschiedung von Nadja Keiser-Berwert wurde ihr Gesamtwerk durch zahlreiche Wortmeldungen gewürdigt. Der grosse Respekt gegenüber ihrem Einsatz zeigt sich auch mit der Ernennung zur Ehrenpräsidentin von Pro Natura Berner Oberland.

Ehemalige Präsidentin Nadja Keiser-Berwert und neu gewählter Präsident von Pro Natura Berner Oberland Hanspeter Güntensperger
Hauptversammlungen

Weiterführende Informationen

Info

Elektronische Überweisungen mit dem Vermerk "Spende" an:

Pro Natura Berner Oberland
Grassiweg 40
3714 Frutigen
Postkonto 30-16405-7
IBAN CH 63 0900 0000 3001 6405 7

Kontakt

Präsident

Hanspeter Güntensperger

Tel. 079 334 85 58

@email

Projektleiter

Etienne Guhl

Tel. 031 510 02 92

@email

Postanschrift:

Pro Natura

Schwarzenburgstrasse 11

3007 Bern